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Tagebuch - April 2013
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29.4.2013

Bliki zieht um! Und tapert fein dem Führpferd hinterher, Viktoria sitzt drauf, durch Wohnsiedlungen, über die Autobahnbrücke, über den Feldweg, über die Wiese hintenrum rein zu Stall. Er bekommt einen Einzel-Offenstall mit Paddock. Wälzt sich gleich dreimal hintereinander begrüßt höflich und unaufdringlich seinen Nachbarn. Alles gut! Wir trinken Sekt mit Blick auf unser gemeinsames Stückchen Arbeit und Glück!



23.4.2013
Na, wie läuft es mit dem eigentlich? „Nun ja, ich kann den jetzt 15 Minuten in der Halle reiten ohne dass er anhält.“ Lachen, „Das ist doch schon was.“

12.4. 2013 Geritten auf dem Platz und alles unproblematisch. Flott im Schritt, flott im Trab, galoppiert wieder mit großem Cowboy-Jipee!. Er hat sogar gewiehert, als ich kam, aber das könnte auch daran gelegen haben, dass ich eine rossige Stute an der Hand hatte.... ;o) Noch die facebook-Gelände-Besprechung mit V: 

23:28 J.: 
hi, 
was mir noch einfiel zu der Bliki-ausritt-aktion: ganz wichtig ist, damit er einen zusammenhang zwischen dem flott zünden und lob-absteigen herstellen kann, dass du das jetzt zeitnah mehrfach wiederholst. also keine gruppenausritte dazwischen, und möglichst jeden tag/jeden zweiten tag üben. und, wie gesagt, aber das hast du ja gemacht, ziele sehr klein halten (und nicht denken 'naaa, war das denn jetzt schon flott genug??') . es ist auf jeden fall genau das, was es bewirken soll, dass Du den eindruck hast: "der wundert sich". Der soll merken: huch, ganz anderes Programm, neue Platte. Hab ihn mir eben noch für 10 minuten zur bodenarbeit rausgenommen und es war große klasse. der macht so toll mit, bin begesitert. falls du das mit den ausritten nicht zeitlich schaffst, sag mir bescheid, dann mache ich mit. vielen dank!!!!
LG J Donnerstag 

11:33
V.: 

Hi,
ja, dann mache ich das auf jeden Fall so. Bin mir nicht ganz sicher, ob ich es heute schaffe, werde es aber versuchen. Ansonsten schaffe ich es aber die nächsten tage auf jeden Fall und gehe dann auch mit ihm alleine.
Liebe Grüße, V.






 Samstag 

21:44
J.: 
V., wie waren die letzten beiden Ausritte? LG J.







 Heute 

01:03
V.: 

Bliki war beide mal seeeehr unmotiviert. Er ist zwar immer brav vom Hof weggegangen, aber alles nur recht langsam. Auf der Strecke, wo ich beim ersten mal losgaloppiert und dann abgestiegen bin, ist er sofort angaloppiert, hat aber nach zwei Metern erstmal angehalten. So nach dem Motto "hier haben wir beim letzten Mal doch umgedreht". Heute war es auch ähnlich. Also bisher wird er dadurch nicht motivierter, merkt sich aber immer wo wir beim mal davor umgedreht haben. Ich drehe dann natürlich nicht wieder an der selben Stelle um. Mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.
LG V.






 13:50

J.: so schnell geht das nicht! ist doch gut, dass er sich das gemerkt hat! jede änderung im verhalten ist gut, und er scheint ja ins nachdneken zu kommen. komm ihm am besten zuvor, um den fehler nicht aufkommen zu lassen. lass uns mal telefonieren. für mich klingt das gar nicht schlecht


11.4. 2013 Ich verschling gerade Buck Brannamans Buch „Horseman aus Leidenschaft“. Eine seiner Schülerinnen erzählt, dass sie durch ihn gelernt habe, einfach nur bei ihrem Pferd zu sein, und dass sich daher die Beziehung stark verbessert habe. Ich dachte: Stimmt, hast Du auch ewig nicht gemacht. In den Stall setzen, beobachten. Bei meinen anderen beiden hat das auch geklappt, kurz Hallo gesagt, hingehockt, beim Malmen zugeguckt. Dann bin ich zu Bliki gegangen, er steht in einem anderen Offenstall. Sofort kommt er zum Tor, wenn ich rufe. Also das heißt erst mal kommen die anderen: Unruhe, Hufe trappeln, ein paar Tinker gehen in hastigem Schritt am Tor vorbei. Weil: König Bliki ein Ohr anlegt und alle zur Seite rücken müssen. Ich hab ihn einfach nur gekrault, überall, am Hals, wo man nach Brannaman die Bewegung imitieren soll, mit der eine Stute dem Fohlen den Hals schleckt (natürlich hab ich ihn nicht abgeschleckt, sondern die Hände benutzt). Er hat sich so gut im Ausdruck verändert, ist mir da aufgefallen. Die Ohren sind vorne, der Blick interessiert. Wenn ich kraule, ist die Oberlippe genießerisch langgezogen. Er traut sich nicht, gegenzukraulen – ich nehme an, dass er früher als Hengst das nicht durfte, er ist immer sehr vorsichtig mit seinem Maul, auch wenn es z.b. um Futter aus der Hand geht. Ich habe versucht, es zu fotografieren, wie genüsslich sein Gesichtsausdruck war, aber mit dem Handy abdrücken, während die andere Hand krault und damit alles verwackelt – das war wirklich fast alles unscharf. Ich hab da also eine ganze Zeit gestanden und Mähen, Widerrist, Widerrist zum Rücken hin (das fand er besonders gut!), Kruppe gekrault und den Bauch und die Beine abgestrichen. Er fand es super. Und als ich tschüss sagte, wollte er mit. Ich hab zuvor mich auch mal von ihm entfernen wollen, um ein besseres Foto zu machen, doch der drehte sich immer mit, wie wir es bei der Bodenarbeit üben. Zum Schluss wäre er einfach so mit durchs Tor gekommen, ohne Halfter, ohne Strick, wenn ich ihn nicht per Fingerzeig hätte Rückwärts gehen lassen. Kaum zu glauben, dasselbe Pferd, dass noch vor Wochen manchmal, an schlechten Tagen, keinen Schritt aus dem Offenstall machen wollte. Dann habe ich mir die Reitfotos aus dem März angesehen – puh, was für ein Ausdruck in seinem Gesicht. Furchtbar. Ich wüsste gern, wie es heute aussieht. Mal fragen, ob jemand demnächst fotografiert.


11.4. 2013 Es ist windig, gute Vorraussetzung, damit er hübsch flott ist draußen! Also auf den Reitplatz. Soweit alles gut. Um den in den Galopp zu bekommen, sitzte ich da drauf wie ein verrückter Cowboy. Ich rufe „Yippee“, ich fuchtele mit den Armen rum, ich hebe die Gerte hoch und runter in der Luft. Eben irgendwie Fluchtreflex ansprechen und dann lautstark freuen, damit er die Verknüpfung bekommt. Mehr Schenkelhilfe, Gerteneinsatz – das funktioniert ja alles nicht mehr. Allerdings sieht das natürlich völlig bescheuert aus. Ein Radfahrer, so einer in Vollmontur, der flott unterwegs ist, starrte, fuhr langsamer, starrte. Ja, das muss nach einer Verrückten aussehen. Aber es klappt! War sogar ein kleiner Buckler beim Angaloppieren drin heute.


10.4.2013 Schöner Erfolg: Bliki kommt zu mir, als ich in den Offenstall komme. Ich begrüße ihn, kraul ihn ein bisschen, nehme aber erst ein anderes Pferd hinaus. Dann, als ich das andere Pferd zurückbringe, warte ich in der offenen Türe, halte ein Halfter am ausgestreckten Arm hin. Und Bliki guckt und kommt. Bis kurz vor das Halfter, so dass ich es einfach überstreifen kann. Na das heißt ja wohl Lust auf Mensch! Dann mit Seil in der Halle. Er ist so fein, das macht ganz viel Spaß: Antippen mit der Gerte zum Seitwärtstreten, ich stehe nun vorn, nicht mehr wie bisher seitlich. Auf leichtestes Antippen Reaktion, Lob, dann hat er es schon geschnallt. Allerdings fällt es ihm immer leichter, nach rechts zu weichen als nach links. Dann wieder vorschicken, rückwärtstreten lassen am Seil, Hinterhandwenden. Klappt alles prima. Dann am Seil im Zirkel um mich herum longiert, ich habe mal ausprobiert weniger mit Gertenzeichen zu arbeiten sondern mehr mit Körperspannung. ER ist so fein, so kommunikativ, ich komme mir vor, als wäre ich ein Analphabet und er wollte mit mir aristorkratisch reden. Meine Horsemanship-Kenntnisse sind absolute Basics, ich habe das Gefühl der bietet so viel an, und ich kann dem in seiner Feinheit gar nicht folgen. Daher bewege ich mich schön auf sicherem Boden, damit ich nicht eine Reaktion verpasse oder falsch reagiere. Sind noch nebeneinander gelaufen im Gleichschritt, dann auch mal schneller, im Trab nebeneinander, aber dann wurde er doch schneller als ich und ich habe das in einem Zirkel auslaufen lassen. Ich muss unbedingt mehr über Seilarbeit und Freie Arbeit lernen! Er bietet das auf dem Silbertablett an und ich kann nicht wirklich zugreifen. Viktoria war zuvor mit ihm im Gelände. Ich habe sie gebeten, ihn mehrfach alleine rauszureiten ohne Gruppe. Immer, wenn er zum ersten Mal zündet, wenn sie draußen ausreitet, soll sie absteigen, loben, umdrehen und zu Fuss nach Hause gehen. Das hat sie heute erstmals gemacht. Er war wohl recht zäh und beim ersten Mal angaloppieren hat sie ihn dann so gelobt. Er sei wohl verwundert gewesen. Richtig so! 8.4. (gekauft, mit Philippa!) Eigentlich dachte ich: Heute setze ich mich direkt drauf und mach ganz kurz was im Sattel, und dann gibt’s zur Belohnung nur Arbeit an der Hand. Doch dann habe ich mich komplett um entschieden. Es gab nur Bodenarbeit / Arbeit am Seil. Zur Seite treten lassen, vortreten lassen, rückwärts treten lassen. Bei mir wieder ankommen. Dann ihn von mir weggeschickt und in einem Zirkel um mich herum longiert, das haben wir noch nie gemacht, das war neu. Ich musste seine Schulter oft neu herausschicken, ihn wieder hinausschicken, den Zirkel vergrößern. Hat auf beiden Händen gut geklappt, sogar mit antraben. Er hat die ganze Zeit geleckt, die Zunge über die Lippen fahren lassen (das war wohl das beste Zeichen, der beste Erfolg der Einheit!) Dann durfte er wieder zu mir in die Mitte. Wir waren auf dem Platz, es kamen LKWs und ein Schulbus mit behinderten Kindern an bzw. vorbei. Ich konnte ihn immer wieder mit seiner Aufmerksamkeit zu mir bringen. Das klappt schon wirklich gut, dieses „bei mir ists sicher“ und „bitte deine ganze Aufmerksamkeit zu mir“. Draufgesetzt habe ich mich dann nicht mehr, weil ich glaube, es ist gut für Grunderziehung und Vertrauen, wenn die Basics am Boden mal die Hauptrolle spielen. Heute habe ich das Papier von Bliki mal genau angeschaut. Er hat im Jahr 2008 einen Tierarzt-Stempel aus Dänemark im Papier, aus dem April. Im März und wieder im September 2008 ist er aber in Deutschland geimpft worden. Also war er maximal ein halbes Jahr in Dänemark, wohl genau nach dem Turnier auf dem Eis. Ist da alles auseinandergebrochen? Blikis Geist und Vertrauen und Wille, mitzumachen? Später Anruf von Viktoria, die ihn im Gelände reitet: Sie war nachmittags mit ihm im Gelände und er war „wie komplett ausgewechselt, wie ein anderes Pferd“. Wollte sofort lostraben, wollte buckeln, die anderen Pferde überholen: Endlich wieder Leben in dem Pferdchen! Schön.



6.4.2013
Habe Bliki lange stehen lassen, letzte Woche war S. zum Probereiten im Wald da, davor die Woche kamen wir gerade vom Reitkurs zurück und er war noch so energiegeladen davon. Habe ihn oft im Offenstall gesehen, wenn ich Shannon geholt habe, und er hat geguckt und ist manchmal gekommen. Heute, wo ich weiss, ja, ich kaufe dieses Pferd, sehe ich ihn auch mit ernsteren Augen. Wahrscheinlich ist das nicht gut, weil es die Unbefangenheit ein wenig wegnimmt. Zeit haben wir, jetzt mehr als je zuvor. Aber er ist nicht einfach, und ein Grund, warum ich in letzter Zeit nicht viel gemacht habe, ist bestimmt auch, weil ich eine neue Platte auflegen muss und nicht sicher weiss, welche. Daher bin ich auch zu Bea gefahren. Aber da war er so gut, dass sie nur raten konnte „richtiger Weg, weiter so“ und „jetzt könnt Ihr anfangen, ihn zu arbeiten, in die Dehnung zu schicken“, er verkriecht sich ja immer hinter dem Zügel. Aber zuhause sind wir an dem Punkt noch nicht. Das habe ich ihr auch gesagt, aber wie soll sie im Kurs den Ist-Stand sehen, wenn die Bedingungen ihn ganz anders machen? Der Kurs mit dem ewigen Verladen durch die Autos, die ausfielen und ich mehrfach auf- und abladen musste, und er sich kaum aufladen lies, der hat mich vom Drumherum her Nerven gekostet. Irgendjemand sagte, als ich erzählte, dass ich 2,5 Stunden aufgeladen hatte: „vielleicht hat Euch das ja auch näher zusammen gebracht“ . Und das Gefühl hatte ich tatsächlich. Ich habe heute mit Bliki gearbeitet und dachte: oh mann, wir sind noch weit auseinander. Vielleicht auch wegen der Pause. Er war sehr gut an der Hand, fast überengagiert. Dann im Sattel: Schritt gut, antraben gut aber dann beim Traben kommt oft ein stockendes Gefühl auf. Er wechselt nicht die Gangart, das merke ich früh genug, aber er ist zäh, und das gefällt mir nicht. Ich habe dann weniger Trab geübt und mehr einfach nur Antraben, wobei das Durchparieren danach prompt erfolgt, fast zu plötzlich. Dann dachte ich an Bea, der ich das erzählte, und die sagte „dann eben loben nicht im Stehen sondern im Schritt“ und ich habe ihn dann im Schritt einfach immer gekrault, leise geredet und das ausgesetzt, wenn er zum Stehen kam. Das ist ein paar mal passiert, aber ich konnte es über Wendungen sanft abpuffern. Übers abwenden kommt er wieder in Bewegung, da brauche ich keine Hinterhandwendungen oder so. Aber irgendwie langt mir das alles nicht. Die Idee, mit dem Loben nur in Bewegung ist ja gut. Ich brauche noch ein anderes Rezept. Mehr Arbeit an der Hand? Reiten erst mal ganz sein lassen? Oder nur am Ende einer Handarbeitslektion aufsteigen? Mehr freie Arbeit, Spaziergänge, andocken? Oder einfach mal 2x täglich arbeiten, super kurz, und sobald er ordentlich vorwärtsgeht Ritt abbrechen? Denke aber, dass ihn dieses Hallen-Rundenlaufen auch anödet. Vielleicht tatsächlich Zügel-Zeichen an der Hand, Longe, alles mögliche, was Geist und Bindung fördert? Mir ist ein guter Name für einen Blog eingefallen: www.burnout-pferd.de. Denn unser Schmied meinte wohl „der sieht aus wie einer mit burn out“ und er sagte auch zu Philippa „das kann einfach auch immer bleiben“. Das glaube ich nicht, und das will ich zeigen.



5.4.2013
Heute wird mein eigenes Pony 23 Jahre alt. Blikis 3-Monats-Frist ist vorbei. Er hat gute Fortschritte gemacht, aber meiner Freundin ist klar geworden, dass er sich nicht flott zu einem guten Therapiepferd umformen lässt. Er soll also verkauft werden – und weil er eben im Sport recht bekannt war, gab es auch schon erste telefonische Kaufangebote. Das will ich auf keinen Fall – dass er wieder zu einem Sportreiter kommt. Denn einen zu finden, der sich die Mühe mit diesem Kandidaten macht, das wäre unglaubliches Glück. Ich möchte nicht, dass der kleine Kerl wieder in dieselbe Tretmühle kommt. Der Plan ist also: Kaufen – reparieren – den richtigen Menschen für ihn finden. Und P. kam gerade mit einem Batzen Geld. Der Bankautomat hat bei ihr und mir nur 50er ausgespuckt, es ist also ein ansehlicher Stapel geworden! Ich bin ganz schön nervös, jetzt, wo es ernst wird. Ein echtes Abenteuer – wir kaufen Bliki, gemeinsam! Und machen ein Projekt aus ihm: Ihm wieder beizubringen, dass man mit Menschen tatsächlich Freude haben kann. P. erzählte mir, dass unser gemeinsamer Schmied, der auch Isis hält und Bliki noch aus Turnierzeiten kennt, findet, dass er eben wie ein Mensch mit Burn out aussieht. Kopf hängenlässt, Schotten dicht macht. Prinzipiell stimmt das. Aber da hat sich in den drei Monaten schon wirklich etwas getan! Die Öhrchen sind vorn, wenn man etwas mit ihm macht. Der ist schon bei mir, mittlerweile.

 

 

 

 

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